Eine eigene IT Abteilung vs. externe Dienstleister

Vor ungefähr 2,5 Jahren habe ich den Software Unternehmen den Rücken gekehrt und arbeite seitdem als Softwareentwickler in Vollzeit bei einem Hersteller in der eigenen IT Abteilung. Das war anfangs eine umgewöhnung für mich, doch mittlerweile würde ich nur ungerne wieder zurück zu einem reinen Software Unternehmen wechseln.

Die Arbeit unterschiedet sich im Kern nur minimal. Auf beiden Seiten werden Tickets abgearbeitet, neue Funktionen besprochen und die Software durchgehend optimiert. Nur eben alles größer, spezialisierter und meine Kunden sind meine Arbeitskollegen. Eines der größten Vorteile direkt beim Hersteller zu arbeiten ist, dass es keinen Kundenverkehr gibt. Die Tickets und Wünsche kommen alle direkt von den eigenen Arbeitskollegen. Alles was man anpasst und optimiert, kommt automatisch immer der eigenen Firma zugute. Dabei ist die Wertschätzung von den oberen Abteilungen auch viel größer, im Vergleich zu meiner Zeit bei den Software Unternehmen wo ich angestellt war. Besser kann es nicht laufen.

Natürlich gibt es auch stressige Situationen und tiefgründige Gespräche über Ideen und Wünsche von oben, dennoch geht alles sehr viel lockerer zu. Einer der größten Vorteile meiner Meinung nach ist auch, dass alle Mitarbeiter bzw. die eigene Abteilung sich bereits in dem Thema auskennt und dadurch keine Dokumentationen oder Handbücher zuerst studieren muss, um zu wissen worum es geht. Und all die Diskussionen mit dem Kunden bleiben erspart.

Externe Unterstützung oder selber machen?

Ein weiterer Vorteil in meinen Augen ist, dass jederzeit externe Dienstleister dazu geholt werden können. Nur weil man eine eigene IT Abteilung hat, heißt es noch lange nicht das alles selber gemacht werden muss! Vor allem wenn es um speziellere Themen geht. Das trifft auch auf Softwarelösungen für den Mittelstand zu. Warum sollen alle Entwickler einer kleinen IT Abteilung ein CRM, ERP oder eine Personalsoftware nachbauen, wenn es diverse fertige Produkte am Markt gibt? Erstens Kostet die Eigenentwicklung eine Menge Zeit und Geld. Zweitens muss alles von Anfang an (Umfang, Funktionen, Schnittstellen) bedacht werden. Und Drittens, das Kerngeschäft vom Arbeitgeber ist ein anderes. Somit ist das alles selber machen in meinen Augen oft eine interne Ressourcenverschwendung. Die Zeit, in der ein Mitarbeiter etwas nachbaut, kann man besser intern in Anspruch nehmen. Der externe Softwareanbieter ist Profi in seinem Gebiet und darauf darf man sich immer verlassen.

Steigende Anforderungen in bereits bestehenden Programmen werden oft unterschätzt!

Beispiel Kontaktformular:

  • Anfangs wird nur ein Kontaktformular benötigt, dass nach Eingabe eine E-Mail versendet.
  • Drei Wochen später sollen die Einträge in einer Datenbank abgespeichert werden.
  • Drei Monate später soll noch eine Auswertung dazu kommen, ein Automatismus getriggert werden und die eingegebenen Daten statt in einer Datenbank, über eine Schnittstelle direkt verarbeitet werden.

Das Beispiel mit dem Kontaktformular bzw. die Art der Projekt Fortführung kennen bestimmt viele von euch. Am Anfang ist nur ein Haus gefordert und drei Monate später muss es zu einem Hochhaus umgebaut werden. Da hilft es nur, wenn man von Anfang an alle Anforderungen kennt und auch noch mal zusätzlich nachfragt, ob es dabei bleibt. Wie so oft, wächst die Software mit an Anforderungen mit und ab einem Gewissen Punkt muss man selber Abwegen: Intern weiter entwickeln oder durch eine fertige Software ersetzen.

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